Kreativitätstechniken #3: Kopfstand-Technik

Von Laura Möhr | 16. April 2014, 16:35

Kreative Erfolge feiern durch „Kopfstand-Ideen“

Haben Sie eigentlich mal überlegt, wie Sie Ihren guten Ruf ruinieren können? Oder wie Sie möglichst viele Kunden vergrätzen? Oder wie Ihre Umsätze am schnellsten den Bach runtergehen?

Was vorerst absurd und schädlich klingt, kann Ihnen innerhalb einer kreativen Sitzung sehr nützlich sein: Die Kopfstand-Technik verdreht Ihre eigentlichen Absichten ins Negative. Denn sie beruht auf dem paradoxen Effekt, dass Sie Lösungen besser erkennen, wenn Sie zuerst überlegen, wie Sie Ihr Ziel am ehesten verfehlen.

Später kommen Sie aus dem gedanklichen Kopfstand wieder auf die Füße und wandeln die gesammelten „Kopfstand-Ideen“ wiederum in ihr Gegenteil um. Dadurch erhalten Sie originelle Lösungsansätze für Ihre Ausgangsfrage.

Lockern Sie Ihre Denkrichtung mit einem Worst Case-Szenario auf

Die Kopfstand-Technik geht auf den englischen Arzt und Kognitionswissenschaftler Edward de Bono zurück. Die Innovation: Wenden Sie sich bewusst dem schlimmstmöglichen Szenario zu! Damit manövrieren Sie sich spielerisch aus gedanklichen Sackgassen und abgenutzten Denkmustern heraus.

Im Yoga liefert ein Kopfstand Konzentration und Klarheit, denn die Gehirnzellen werden in dieser Position mit außergewöhnlich viel Sauerstoff und Nahrung versorgt. Die konträren Fragestellungen der Kopfstand-Methode lockern ebenso Ihre Gedanken auf: Völlig neue Blickwinkel einzunehmen und frei „herumzuspinnen“, regt Ihre Kreativität an. Vor allem, wenn Sie nicht Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit stets im Auge haben müssen.

So kommen Sie am besten in den „Kopfstand“:

Für die Kopfstand-Methode planen Sie mindestens 30 bis 60 Minuten ein. Notieren Sie Ihre Ideen auf einem Flipchart, Whiteboard oder ähnlichem. Die Kreativtechnik lässt sich in einer Gruppe von vier bis zehn Teilnehmern anwenden, aber auch alleine:

1. Formulieren Sie Ihre Aufgabe bzw. Ihr Problem als Frage.
(z.B. „Wie schaffe ich es, mehr Kunden in mein Geschäft zu locken?“)

2. Verkehren Sie diese Frage in ihr Gegenteil.
(z.B. „Wie kann ich möglichst viele Kunden abschrecken, mein Geschäft zu betreten?“)

3. Sammeln Sie Ihre spontanen Ideen zu der Negativ-Frage.
(z.B. „Bissigen Wachhund vor der Tür anleinen“, „Tür und Schaufenster verbarrikadieren“, „Standort wechseln in eine gefährliche Gegend mit wenig Laufkundschaft“, „Gerüchte über fürchterlichen Besitzer streuen“, etc.)

4. Wandeln Sie jede einzelne der gesammelten „Anti-Ideen“ nun in ihr Gegenteil um.
(z.B. „Bissigen Wachhund vor der Tür anleinen“ wird zu „Freundliches Begrüßungspersonal vor dem Eingang positionieren, das den Kunden kleine Giveaways/Verkostungen anbietet“)

TIPP: Lassen Sie sich bei den letzten beiden Schritten viel Zeit und entwickeln Sie die aufkommenden Ideen weiter. Je detailreicher Sie in Schritt 3 Ihre „Kopfstand-Ideen“ gestalten, desto außergewöhnlichere Lösungsansätze stehen Ihnen in Schritt 4 zur Verfügung.

Brainstorming als Basis: Werden Sie im Team kreativ

Schritt 3 und 4 gestalten Sie wie eine Brainstorming-Sitzung. Ein Eckpfeiler von Brainstorming lautet: Die kreative Phase der Ideenfindung ist strikt getrennt von der analytischen Phase, in der Sie Ihre Ideen auswerten.

Kritik und Kommentare sind deshalb in der Phase der Ideenfindung für alle Teilnehmenden tabu. Nehmen Sie die Ideen der anderen auf und spinnen Sie sie weiter! Versuchen Sie, so viele und so ausgefallene Ideen wie möglich zu finden – Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Wie Sie Brainstorming genau anwenden, können Sie hier lesen.

Geheimrezept Kopfstand-Technik: Warum es funktioniert, seinen Bedenken humorvoll Luft zu machen

Die Kopfstand-Technik ist so effektiv, weil sie weit verbreitete Denkmuster für sich zu nutzen weiß: Vielen Menschen fällt es leichter, negative Aspekte an einer Idee zu nennen als aus dem Stehgreif Lösungen zu finden. Deshalb ist es hilfreich, ein Ziel zuerst auf den Kopf zu stellen und negative Gesichtspunkte zu suchen. Die „Kopfstand-Ideen“ werden nur so aus Ihnen heraussprudeln – kein Vergleich konventioneller Ideensuche.

Die umgedrehte Fragetechnik hilft Ihnen auch bei Herausforderungen, denen Sie skeptisch gegenüber stehen: Mit der Kopfstand-Methode können Sie Ihren Vorbehalten ungehindert Luft machen, indem Sie zuerst das schlimmstmögliche Szenario ausmalen.

Die gegenteiligen „Kopfstand-Ideen“ zu sammeln mutet teilweise recht amüsant an. Unterschätzen Sie nicht die inspirierende und entspannende Wirkung von Humor im kreativen Schaffensprozess. Das ist ein weiterer Vorteil von der Kopfstand-Technik: Sie macht Spaß!

So profitieren Sie von der Kopfstand-Technik – beruflich und privat

Wenden Sie die Kopfstand-Technik im Beruf an, um die Planungen für ein Projekt, eine Veranstaltung oder ein Konzept aus neuen Perspektiven zu betrachten. Die Kopfstand-Technik eignet sich besonders gut, wenn Sie bei der Ideensuche viel Planungs- und Vorbereitungsarbeit berücksichtigen müssen.
Denn mit dieser Kreativ-Technik erkennen Sie konzeptionelle Lücken und alternative Maßnahmen, die Ihnen bei einer gewöhnlichen Ideensuche häufig entgehen. Sie hilft auch, der typischen „Betriebsblindheit“ in allzu bekannten Themen entgegen zu wirken.

Wenden Sie die Technik doch auch privat an und überlegen Sie, wie Sie in einer neuen Umgebung garantiert keine Freunde finden. Oder möchten Sie lieber wissen, wie Ihr geplanter Urlaub hundertprozentig in einem Fiasko endet?

Welchen Kopfstand Sie auch immer als erstes ausprobieren: Wir wünschen Ihnen viel Freude und Inspiration dabei!