Hat was: das Hillary-H

Von Kathrin Koch | 20. Juni 2016, 17:17

Hillary Clintons Wahlkampflogo: das Hillary-H

Warum das vermeintlich schlechte Wahlkampf-Logo ein Zeichen für gutes Logo Design ist

In Sachen Logoentwicklung gibt es im aktuellen amerikanischen Wahlkampf bereits einen eindeutigen Sieger: Hillarys H. Während Obama auf das unvergessliche »Yes we can« und damit einen Slogan setzte, greift Clinton zum symbolträchtigen Pfeil. Der weist nämlich nach vorn, in die Zukunft, auf den Punkt. Oder etwa nicht? Die Designerwelt und das Internet ließen jedenfalls kein gutes Haar am Entwurf und attestierten ihm alles, außer Brillanz. Aber stimmt das überhaupt? Eine Analyse.

So falsch, dass es schon wieder richtig ist?

Die US-amerikanischen Farben Blau-Weiß-Rot? Unvermeidlich. Es war die unfassbare Simplizität von Buchstabe und Pfeil, über die sich Medien und Designer im Gleichklang aufregten. Spiegel Online mokierte, dass selbst ein Fünfjähriger ein solches Logo hätte entwerfen können und dass es doch nicht anginge, wenn eine Agentur dafür Geld bekommen hätte. In etwa das gleiche Horn stießen auch alle anderen Kritiker.

Doch gutes Logo Design lebt von drei Dingen: Einfachheit, Wiedererkennungswert und Reproduzierbarkeit. Und diese Forderungen erfüllt Hillarys H perfekt. Jedes Logo sollte dabei sowieso den Fünfjährigen-Test bestehen: Kann er es malen, ist die Logoentwicklung auf der richtigen Spur.

Ein Logo reduziert nämlich die visuelle Aussage auf das Nötigste. Der hohe Abstraktionsgrad macht ja gerade den Unterschied zu einer Illustration oder anderen visuellen Elementen aus. Je simpler, abstrakter und eindeutiger das Logo, desto einfacher geht es ins Gedächtnis und kann von dort wieder abgerufen werden.

Usability first! Einfachheit ist barrierefrei

So darf man davon ausgehen, dass Hillary Clinton ihre Kandidatur nicht in einer Woche geplant hat. Damit darf man auch davon ausgehen, dass sie ihre potentielle Wählerschaft genau analysiert hat.

Wer die Mehrheit des Volkes erreichen will, muss für alle verständlich und attraktiv sein. Donald Trump wirft man vor, er rede auf dem Niveau eines Viertklässlers, Hillary Clinton wirft man vor, ihr Logo Design hätte ein Fünfjähriger erfinden können. So what? Goldrichtig, sagen Kommunikationsexperten. Man mache es den Menschen so einfach wie möglich, räume alle Barrieren beiseite, damit möglichst viele sich mit den Inhalten beschäftigen. Und dieses sogenannte Flat-Design des Logos ohne großen Schnickschnack und räumliche Effekte ist momentan sehr angesagt und damit überaus zeitgemäß.

Männliche Zielgerichtetheit für eine weibliche Kandidatin

Würde Hillary Clinton gewählt, wäre sie die erste Frau an der Spitze der USA: ein historischer Meilenstein. Kein Wunder, dass der seitwärts gerichtete Pfeil das grafische Element im Logo ist, das den größten Wirbel in der Debatte ausgelöst hat. Hier bedient sich eine weibliche Kandidatin eines zutiefst männlichen Symbols. Der Pfeil als phallisches Zeichen verkörpert männliche Zielgerichtetheit und Dynamik.

Beides sind wichtige Aspekte von Politik. Politik heißt immer die Zukunft zu gestalten. Wer nicht nach vorne schaut, tritt auf der Stelle, und verwaltet statt zu gestalten. So gibt der Pfeil ein Versprechen – allerdings ein gemäßigtes. Er weist nämlich nicht phallisch schräg nach oben wie z.B. der aufstrebende Balken im Logo der Deutschen Bank, sondern waagerecht zur Seite. »Mit mir als Präsidentin wird es keine krassen Änderungen geben, mit mir setzen Sie auf den bewährten Weg, und dafür stehe ich mit meinem (Vor)namen« – dieses persönliche Wahlversprechen bringt das Logodesign von Hillary Clinton auf den Punkt.

Und das hat sich wohl kaum ein Fünfjähriger ausgedacht. Viel wahrscheinlicher steckt hinter diesem Design eine Strategie, an der seit weit mehr als fünf Jahren gearbeitet wurde.